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Die Katze, die entlaufen ist
Eine Erzählung von Noah Johnson

Ich bin si­cher, dass die­se Frau, die mir einen fau­len Fisch am Abend bringt, wird mir nur Pro­bleme ma­chen. Der Ge­ruch des Fi­sches ge­fällt mir, weil ich ein Hund bin. Die Frau scheint ge­fähr­lich zu sein, weil sie dau­ernd re­det. Ich ver­ste­he ih­re Wör­ter nicht. Ich ver­ste­he aber eine Vor­aus­zah­lung mit Fut­ter. Ich schlu­cke den Fisch und dann fol­ge ich der Frau.

Ih­re Kat­ze ist ent­lau­fen und sie will, dass ich die Kat­ze fin­de. Die Tür sei of­fen ge­stan­den und die Kat­ze sei weg. Ich ge­he in ihr Haus hin­ein. Es hat den Ge­ruch nach Sei­fe. Weil ich Sei­fe has­se, ge­he ich bald weg. Drau­ßen ist über­all Dreck. Ich ha­be den Dreck gern. Ich wäl­ze mich, bis ich dre­ckig bin. Ich füh­le mich wohl.

Plötz­lich ren­ne ich. Ich ha­be einen Baum ge­schnüf­felt und er hat den Ge­ruch nach Fuchs. Der Fuchs ist ge­kom­men. Er muss­te die Kat­ze in den Wald weg­ge­jagt ha­ben. Ich fol­ge der Spur. Wenn ich den Fuchs fin­de, fin­de ich auch die Kat­ze. Das macht mir Spaß! Ich ja­ge gern Füchse.

Der Wald ist ru­hig und ich bin ganz al­lein. Am Nach­mit­tag hat es ein Ge­wit­ter ge­ge­ben. Die Tiere ver­ste­cken sich noch. Ich fin­de kei­nen Fuchs und kei­ne Kat­ze. Bald kommt die Mit­ter­nacht. Ich bin mü­de. Ich hö­re auf zu ren­nen, da­mit ich auf einen Baum pin­keln kann. Ein auf einem Ast sit­zen­des Eich­hörn­chen macht sich über mich lus­tig, bis ich die Zähne flet­sche. Es ist laut, wäh­rend es weg­läuft. Ich hof­fe, dass ich es einem gu­ten Freund bald vor­stel­len darf – mei­nem Ma­gen.

„Wo ist denn die­se ver­flixte Kat­ze?“ fra­ge ich mich wei­ter, wäh­rend ich durch den dunk­len Wald lau­fe. „Wie ist sie spur­los weg­ge­lau­fen? Was hat der Fuchs ge­tan?“

Ich bin ver­är­gert. Mir ist übel – viel­leicht we­gen des fau­len Fi­sches im Bauch. Die­se Ar­beit ist schwie­rig. Ich muss eine Pau­se ma­chen.

Ich ge­he an den Fluss um mich ab­zu­küh­len. Wäh­rend ich im Was­ser ste­he, se­he ich das Spie­gel­bild des Monds auf der Ober­flä­che des Flus­ses. Wenn ich still hal­te, kann ich das Spie­gel­bild gut se­hen. Wenn ich schwim­me, zer­streu­en die Wel­len das Spie­gel­bild und dann kann ich den Mond auf dem Fluss nicht mehr se­hen. Nur se­he ich ihn im Was­ser, wenn ich still hal­te.

Plötz­lich weiß ich, wo die Kat­ze ist. Ich ren­ne zum Haus. Das Fell ist noch tropf­nass, wenn ich am Haus an­kom­me. Die­se Frau ist drau­ßen. Sie sucht noch die Kat­ze. Ich bel­le, da­mit sie mich sieht.

„Wir ha­ben uns ge­irrt“ sa­ge ich. Ich re­de oh­ne Pau­se, weil sie mei­ne Spra­che nicht kann. „Ich den­ke wie ein Hund, aber wir su­chen eine Kat­ze. Um die Kat­ze zu fin­den, müs­sen wir wie eine Kat­ze den­ken.“

Die Frau folgt mir. Wir ge­hen in das Haus hin­ein. Es hat noch den Ge­ruch nach Sei­fe. Ich nie­se.

„Es hat ein Ge­wit­ter ge­ge­ben. Es hat ge­reg­net. Jetzt ist über­all Dreck. Ich ha­be den Dreck gern, aber es ge­fällt der Kat­ze nicht.“

Wir ge­hen in die Kü­che hin­ein. Sau­berer Wä­sche liegt auf einem Hau­fen. Ich nie­se wie­der. Ich has­se Sei­fe.

„Was ge­fällt der Kat­ze? Sie bleibt gern tro­cken. Um tro­cken zu blei­ben, muss sie im Haus wäh­rend des Re­gens blei­ben.“

Ich war­te, bis ich sie auf mich auf­merk­sam ma­che. Dann ge­he ich zu der sau­beren Wä­sche.

„Die Kat­ze ist folg­lich nicht ent­lau­fen, we­gen der nas­sen Er­de. Die Kat­ze ist im­mer hier ge­blie­ben, im Haus.“

Ich he­be die Wä­sche hoch. Da ist die Kat­ze. Sie liegt auf einer zu­sammen­ge­falte­ten Woll­de­cke. Die­se ver­flixte Kat­ze lä­chelt uns an.

Jetzt ist die Frau glück­lich. Sie re­det mit der Kat­ze und be­ob­achtet mich nicht. Ich steh­le einen fri­schen Fisch, be­vor ich das Haus ver­las­se. Ich wer­de ihn gern fres­sen. Manch­mal ist mei­ne Ar­beit nicht schlecht.

Ende

Milwaukee, Dezember 2019
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